25.01.2026

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Folge 16-24 vom 19. April 2024 / Digitale Medien / Fluch und Segen der Computerwelt / Martin Korte räumt in seinem Buch „Frisch im Kopf“ teils unterhaltsam, teils theoretisch trocken, mit Mythen rund um den Nutzen digitaler Geräte auf

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-24 vom 19. April 2024

Digitale Medien
Fluch und Segen der Computerwelt
Martin Korte räumt in seinem Buch „Frisch im Kopf“ teils unterhaltsam, teils theoretisch trocken, mit Mythen rund um den Nutzen digitaler Geräte auf
Wolfgang Kaufmann

Ist ein Professor in Vorlesungspose auf dem Cover seines Buchs abgebildet ist, während vor dem Autorennamen die akademischen Titel prangen, dann steht zu erwarten, dass das Werk professoral daherkommt. So verhält es sich im Falle von „Frisch im Kopf“ auch. Martin Korte, Lehrstuhlinhaber für Neurobiologie an der Technischen Universität Darmstadt, präsentiert eine Abhandlung über das, was die Digitalen Medien mit unseren Gehirnen machen, die streckenweise durchaus unterhaltsam daherkommt, an anderer Stelle aber wie ein Konvolut aus Skripten für Studenten wirkt, in denen in sehr trockenem Ton der Stand der Forschung referiert wird.

Das löst beim Leser ähnliche Effekte aus wie die Allgegenwart der Smartphones und Computer, die wenig denkförderlich ist. So schrumpfte die Aufmerksamkeitsspanne beim Umgang mit den Geräten bei vielen Menschen auf nur noch 40 Sekunden – und sehr viel länger konnte der Rezensent manchen Ausführungen von Korte auch nicht folgen, ohne dass sein Gehirn nach Abwechslung 

verlangte. 

Das Buch enthält aber brillante Passagen, in denen der Autor das ganze Elend auf dem Feld der Digitalen Medien in treffenden Worten und aufschlussreichen Zahlen schildert. So räumt er mit dem Mythos auf, man könne erfolgreich Multitasking an Computer und Smartphone betreiben und empfiehlt längere Phasen, in denen auf jegliche Ablenkung durch ein zweites Gerät oder parallel mitlaufende Programme verzichtet wird.

Korte weist nach, dass die Folgen des Umgangs mit digitalen Medien vom Lebensalter abhängen: Während die kindliche oder jugendliche Gehirn- und Sprachentwicklung eher Schaden nimmt, kann das Denkorgan älterer Menschen von der Nutzung von Computern und Smartphones stark profitieren. Das Geheimnis liegt darin, dass es von Vorteil ist, im Alter Neues zu probieren und damit Trainingsprozesse in Gang zu setzen, welche die Gehirnalterung verlangsamen.

Nach Ausführungen über den Einsatz digitaler Technologien im Schulalltag sowie die Möglichkeiten und Grenzen der Künstlichen Intelligenz kommt Korte zu praktischen Ratschlägen, in denen es um das Vermeiden von „Fake-News-Fallen“ geht. Er verweist auf das angeblich so hilfreiche Wirken der sogenannten Faktenchecker, die entgegen den Behauptungen seines Buches oftmals keine „unabhängigen Journalisten“, sondern stramm links orientierte politische Aktivisten sind. Hier wäre doch etwas mehr Realitätssinn aufseiten Kortes gefragt gewesen.

Martin Korte: „Frisch im Kopf. Wie wir uns aus der digitalen Reizüberflutung befreien“, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2023, gebunden, 318 Seiten,  24 Euro