25.01.2026

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Folge 17-24 vom 26. April 2024 / Max Schneckenburger / Der Dichter der „Wacht am Rhein“

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-24 vom 26. April 2024

Max Schneckenburger
Der Dichter der „Wacht am Rhein“
Manuel Ruoff

Nach Frankreichs sogenanntem diplomatischen Waterloo in der Orientkrise forderte Frankreichs imperialistische Öffentlichkeit Kompensation an der Grenze zu Deutschland. Die alte Forderung nach dem Rhein als sogenannter natürlicher Grenze wurde wieder laut. Die Reaktion in Deutschland waren Frankreichkritik und Nationalismus. Diese sogenannte Rheinkrise von 1840 führte zwar zu keinem blutigen, wohl aber zu einem regelrechten Dichterkrieg zwischen den Nachbarn. An diesem beteiligte sich auch Max Schneckenburger mit dem Lied „Die Wacht am Rhein“. 

Der Dichter kam am 17. Februar 1819 in Talheim bei Tuttlingen zur Welt. Sein Vater war mit Tobias Schneckenburger ein Kaufmann und Hofbesitzer, seine Mutter Regina Margarethe geborene Haug die Tochter eines Pfarrers aus Talheim.

Der junge Schwabe besuchte die Lateinschulen in seiner Heimatgemeinde und in Herrenberg, wo sein älterer Bruder Matthias seit 1831 Diakonus war. 1834 erhielt Bern eine Universität. An ihr wurde Matthias noch im selben Jahr Theologieprofessor. Auch Max zog in diesem Jahr nach Bern. In der Drogerie Reuther & Blau machte er eine kaufmännische Lehre. 1836 zog er in das bei Bern gelegene Burgdorf und machte beim Handelshaus J.J. Schnell Karriere. 

Die Führung des Geschäftes führte ihn 1838 nach Großbritannien und Frankreich. Der Dichter der „Wacht am Rhein“ kannte die Grande Nation also nicht nur vom Hörensagen. Mit Johann Ludwig Schnell gründete Schneckenburger 1842 im bei Burgdorf gelegenen Oberburg das Unternehmen Schnell & Co. Die Eisen- und Bronzegießerei tat sich durch ihren Zierguss hervor und florierte. In dieser Zeit heiratete Schneckenburger die Tochter eines Pfarrers aus seiner schwäbischen Heimat.

Neben seiner kaufmännischen Tätigkeit war Schneckenburger seit Mitte der 30er Jahre auch publizistisch tätig, so für den „Schwäbischen Merkur“, die damals führende Tageszeitung in seiner schwäbischen Heimat. Sein Debüt als Dichter gab er 1837 mit dem unter Pseudonym veröffentlichten Band „Die ersten Versuche in Poesie und Prosa“. Er fand keine Resonanz.

Zu Schneckenburgers künstlerischem Durchbruch bedurfte es erst des durch die Rheinkrise inspirierten Gedichts „Die Wacht am Rhein“. Dessen Durchbruch wiederum brachte erst die Vertonung durch den Dirigenten, Chorleiter und Komponisten Carl Wilhelm 1854 und dann schließlich der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. 

Im Gegensatz zu Wilhelm erlebte Schneckenburger diesen Durchbruch nicht mehr. Er starb vor 175 Jahren, am 3. Mai 1849, in Burgdorf. Da er sich stets nach seiner Heimat zurückgesehnt hatte, wurden seine Gebeine 1886 nach Thalheim überführt und dort beigesetzt.