28.04.2026

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Folge 17-24 vom 26. April 2024 / Technologie / Ein neue Stufe der Überwachung / Innovation aus den USA verfeinert die Satellitenbeobachtung in nie gekannter Weise – Berlin sieht „keinen Handlungsbedarf“

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-24 vom 26. April 2024

Technologie
Ein neue Stufe der Überwachung
Innovation aus den USA verfeinert die Satellitenbeobachtung in nie gekannter Weise – Berlin sieht „keinen Handlungsbedarf“

Die Welt könnte schon bald ein noch dystopischerer Ort sein als heute schon. Wie die „New York Times“ kürzlich meldete, plant das US-Unternehmen Albedo Space den Einsatz von Überwachungssatelliten, deren Kameras eine Auflösung von zehn Zentimetern haben. Möglich machen dies technische Neuerungen sowie relativ niedrige Umlaufbahnen zwischen 250 und 400 Kilometern.

Der Start der ersten von insgesamt 24 Satelliten soll 2025 erfolgen. Datenschützer wie Jennifer Lynch von der in San Francisco ansässigen Nichtregierungsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) glauben, dass dann auch eine Gesichtserkennung aus dem All auf der Tagesordnung stehen werde, weil es Albedo Space sicher gelinge, die Auflösung noch weiter zu steigern. Im Gegensatz zu festinstallierten Kameras auf der Erde hätte dann niemand mehr die Chance, sich dieser Form der Bespitzelung zu entziehen. Damit drohe das Ende jeglicher Privatsphäre, da die US-Regierungsbehörden sicher ständig auf die Augen im Kosmos zugriffen.

Dahingegen verteidigte der Albedo-Space-Chef Topher Haddad die Pläne seiner Firma, indem er betonte, man sei sich der Probleme durchaus bewusst, um dann sofort die Vorteile der Satelliten auf dem Gebiet des „investigativen Datenjournalismus“ anzupreisen. Außerdem, so Haddad, erlaube das System eine effektivere Katastrophenhilfe und allerlei weitere zivile Aktivitäten, „die sicherstellen, dass wir die Welt verbessern, in der wir leben“.

US-Geheimdienste schon im Boot

Tatsächlich jedoch kooperiert Albedo Space längst mit dem US-Militär, Rüstungsunternehmen und Kapitalgebern für militärisch-geheimdienstlich nutzbare Projekte. Zu den Investoren, welche bislang fast 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt haben, gehören Shield Capital, Booz Allen Ventures und die Allianz Breakthrough Energy. Letztere wurde von Bill Gates gegründet und verfolgt offiziell nur das Ziel der Reduzierung von „Treibhausgas“-Emissionen. Mit im Boot sind hier auch der Amazon-Gründer Jeffrey Bezos, George Soros und weitere US-Milliardäre.

Aufschlussreich ist darüber hinaus, dass im Aufsichtsrat von Albedo Space ehemalige Direktoren des US-Auslandsgeheimdienstes CIA und der National Geospatial-Intelligence Agency (NGA) sitzen. Dazu kommen Partnerschaftsverträge mit der Luftwaffe der Vereinigten Staaten beziehungsweise deren Geheimdienst National Air and Space Intelligence Center (NASIC) sowie dem National Reconnaissance Office (NRO), dem die Betreuung des militärischen Satellitenprogramms der USA obliegt. So interessieren sich all diese Institutionen auch sehr für die Fortschritte von Albedo Space auf dem Gebiet der Infrarot-Überwachung bei Nacht.

Ungeachtet dessen teilte die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Fraktion, wie sie der Gefahr der Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch hochauflösende US-Satellitenkameras begegnen wolle, nur lapidar mit, sie sehe beim derzeitigen Stand der Technik „keinen Handlungsbedarf“. W.K.