Die sogenannten Huthi-Rebellen, die seit 1994 im Jemen agieren, sind genau genommen Angehörige der schiitischen Terrorgruppe Ansar Allah (Helfer Gottes), die vom Iran gesteuert und mit Waffen aller Art bis hin zu Mittel- und Langstreckenraketen beliefert wird. Vor den Terrorangriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 kämpften sie zunächst gegen die Zentralregierung in Sanaa und anschließend gegen eine Allianz aus zehn sunnitischen arabischen Staaten unter der Führung Saudi-Arabiens. Dann begannen die Huthi auch mit dem Raketenbeschuss israelischen Territoriums und starteten Attacken auf Handelsschiffe im Roten Meer.
Das wiederum führte zu einem Konflikt mit der Volksrepublik China, die bislang auf Seiten der Anhänger des 2004 getöteten Hussein Badreddin al-Huthi stand und diese auch insgeheim unterstützte. So wurde jetzt bekannt, dass der Sprecher der Huthi-Streitmacht, Brigadegeneral Yahya Sarie, eine militärische Ausbildung an der Shijiazhuang Army Academy der chinesischen Volksbefreiungsarmee erhalten hatte – wie etliche seiner Kampfgefährten auch.
Die Angriffe der Huthi auf den Schiffsverkehr im Roten Meer schaden natürlich den Interessen Chinas, denn 60 Prozent aller Exporte des Reiches der Mitte passieren dieses Gewässer sowie den nördlich angrenzenden Suezkanal. Vielfach laufen die Schiffe dabei den Hafen von Piräus nahe Athen an, der mehrheitlich der chinesischen Reederei Cosco gehört und ein wichtiger Teil der „Neuen Seidenstraße“ ist. Durch die Attacken der Schiitenmiliz explodierten die Versicherungsprämien und es kam zu einem Mangel an Containern, weil etliche Frachter die deutlich zeitaufwendigere Route um Afrika herum nahmen und so länger auf See blieben.
Angesichts dessen verlautbarte das Pekinger Außenministerium am 19. Januar im ultimativen Ton: „Wir fordern ein Ende der Bedrohungen ziviler Schiffe, um das reibungslose Funktionieren der globalen Lieferketten zu gewährleisten und die internationale Handelsordnung aufrechtzuerhalten.“
Darauf reagierten die Huthi im März mit der Zusicherung, weder russische noch chinesische Schiffe anzugreifen, was wohl in wesentlichem Maße die Folge des Umstandes war, dass sich diese beiden Großmächte nicht an den Militäraktionen gegen die Terrormiliz beteiligten. Dennoch ist Peking nun offenbar mit seiner Geduld am Ende, denn es forderte den Iran in ungewöhnlich barscher Weise auf, die Glaubenskrieger im Jemen zu zügeln. Ansonsten müsse Teheran mit einer Verschlechterung der bi-lateralen Geschäftsbeziehungen rechnen. W.K.


