19.04.2026

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Folge 19-24 vom 10. Mai 2024 / Porträt / Lebensversicherung für Schottland

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-24 vom 10. Mai 2024

Porträt
Lebensversicherung für Schottland
H. Tews

Auf der britischen Insel gehört multiethnisches Führungspersonal an der Regierungsspitze längst zum gewohnten Erscheinungsbild. Mit Rishi Sunak regiert ein Sohn indischstämmiger Eltern in der Downing Street; Vaughan Gething, der First Minister von Wales, wurde in Sambia geboren; und als Sohn pakistanischer Einwanderer regierte Humza Yousaf als First Minister die Schotten – jedenfalls bis zu seiner Rücktrittserklärung am 29. April (mehr dazu auf Seite 6).

Zumindest im Parlament von Edinburgh kann man sich auf frühere Verhältnisse einstellen. Denn mit dem 60-jährigen John Swinney soll ein Politiker die Verantwortung übernehmen, der durch und durch Schotte ist: geboren, aufgewachsen und ausgebildet in Edinburgh.

Wer in Schottland die Regierung lenkt, ist auch für Kontinentaleuropa nicht ganz unwichtig. Seit sich die Briten für den „Brexit“ entschlossen hatten, sehnen sich viele Schotten nach einer Rückkehr in die EU. So trieb Swinneys Parteikollegin Nicola Sturgeon die schottische Unabhängigkeitsbewegung voran, als sie von 2014 bis 2023 Regierungschefin war. 

Unter ihrem Nachfolger Yousaf lag das Projekt auch deshalb brach, weil ein Urteil des Obersten Gerichtshofs des Vereinigten Königreichs den Schotten die alleinige Entscheidung über eine Unabhängigkeit nicht zubilligen wollte. Stattdessen beschäftigte man sich lieber mit einer linken Genderpolitik, mit der die sozialdemokratische Schottische Nationalpartei (SNP) bei den Wählerumfragen zuletzt regelrecht eingestürzt ist.

Als frischgewählter Vorsitzender der EU-freundlichen SNP will Swinney die Partei und zugleich als Regierungschef das Land wieder einen. Der Mann, der für eine Lebensversicherung tätig war, ehe er 1997 für die SNP ins britische Unterhaus einzog und zwischen 2007 und 2023 nacheinander mehrere Ministerposten bekleidete, muss sich entscheiden: entweder weiter eine unpopuläre liberale oder eine nationalistische Politik betreiben. Letztere könnte bei den Unterhauswahlen im Herbst vielleicht die Mehrheit der schottischen Sitze im britischen Parlament einbringen. So gestärkt kann er dann die Unabhängigkeit herbeiführen.