17.04.2026

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Folge 19-24 vom 10. Mai 2024 / 300. Jahrestag / Kant als „russische Trophäe“ / Gebietsgouverneur Anton Alichanow erinnerte an die Stadt und den Philosophen während des Siebenjährigen Kriegs

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-24 vom 10. Mai 2024

300. Jahrestag
Kant als „russische Trophäe“
Gebietsgouverneur Anton Alichanow erinnerte an die Stadt und den Philosophen während des Siebenjährigen Kriegs
B. Bost

Anlässlich des Jubiläums des berühmtesten Königsberger Bürgers am 22. April war die Stadt mit violetten Fahnen mit dem Bild des Philosophen und der Aufschrift „Kant 300“ geschmückt. An der Kant-Universität diskutierten Philosophen aus Russland und dem Ausland über „Immanuel Kants Erbe für die modernen internationalen Beziehungen“ und den „kantischen kategorischen Imperativ“. 

Die Stadt eröffnete „Kants philosophischen Weg“ als Touristenroute, die von der Skulptur „Kants Bank“ am Peter-der-Große-Ufer bis zum Friedrichsburger Tor führt. Der Gouverneur des Königsberger Gebiets, Anton Alichanow, und der stellvertretende Minister für Hochschulbildung, Konstantin Mogiljewskij, legten am 22. April um 17.24 Uhr Blumen an Kants Grab neben dem Dom nieder – angeblich genau zu der Zeit, zu der Kant 1724 geboren wurde. 

Auf dem Kneiphof, Kant-Insel genannt, überstieg die Zahl der Bilder des Philosophen pro Quadratmeter während des Jahrestages die zulässigen Grenzen. Dort gab es einen Jahrmarkt und einen großen Gastronomiebereich mit dem Namen „Mittagessen zu Kant“. Auf einem Kiosk, der Schmuck verkaufte, stand die Aufschrift: „Glück ist der Zustand eines vernünftigen Wesens in der Welt, wenn alles in seinem Dasein nach seinem Willen und Wunsch geschieht.“ Nebenan wurde Kantwein statt Glühwein ausgeschenkt und „Kants Lieblingskäse vom Grill“ verkauft – der sich als Halloumi-Grillkäse herausstellte. 

Im Dom wurde anlässlich des Jubiläums des Philosophen ein renoviertes Kant-Museum eröffnet. In der Mitte eines der Säle befindet sich ein Tisch für acht Personen. Teilnehmer des Dinners sind Bewohner des 18. Jahrhunderts, die zu Kants Abendessen eingeladen wurden, und sie sind alle interaktiv. Das Projekt „Dinner at Kant’s“ wird wie folgt beschrieben: „Kants enge Freunde haben sich in Kants Haus in der Prinzessinnenstraße versammelt. Ein herzhaftes Mittagessen und entspannte Gespräche erwarten sie.“ Es stellt sich heraus, dass der unverheiratete Kant nicht gerne allein aß. In seinen „bescheidenen Zeiten“ pflegte er in einem Gasthaus zu speisen, wo es Gesprächspartner gab, und später, als er ein eigenes Haus kaufte, begann er, Gäste in sein Haus einzuladen. 

Im benachbarten Saal werden für diejenigen, die des interaktiven Mittagessens überdrüssig sind, Sitzsäcke aufgestellt und ein Sternenhimmel an die Decke projiziert. Dabei liest eine Stimme aus den Lautsprechern Auszüge aus der „Kritik der reinen Vernunft“, darunter das berühmte Zitat des Philosophen: „Zwei Dinge erfüllen die Seele mit immer neuer und mächtigerer Überraschung und Ehrfurcht, je öfter und länger wir über sie nachdenken – der Sternenhimmel über mir und das Sittengesetz in mir.“ Die Interaktivität setzt sich auf dem Weg aus dem Dom fort, wo man Selfies mit Kant machen kann.

Bescheidener als ursprünglich geplant

Die Feierlichkeiten in der Stadt fielen bescheidener aus als vor einigen Jahren geplant. Wladimir Putin unterzeichnete im Mai 2021 einen Erlass, um den 300. Jahrestag von Kants Geburt gebührend zu feiern. „Diese Veranstaltungen werden viele Menschen einbeziehen, die sich für Kants Erbe, die Geschichte der Wissenschaft und die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Welt interessieren“, sagte der Philosoph Alexander Fjodorow, Rektor der Baltischen Föderalen Universität, im Jahr 2021.

Während der Plenardiskussion beim „Internationalen Kant-Kongress“, mit der die Jubiläumsfeierlichkeiten am 22. April eröffnet wurden, bei der noch einmal die Tatsache betont wurde, dass Kant seinerzeit während der russischen Besatzung der Stadt auch der russischen Obrigkeit einen Eid geleistet hatte,  sagte Alichanow: „Für uns ist Kant unsere russische Trophäe, so wie alles, was man im Königsberger Gebiet sieht. Jeder Besitzer sollte das, was er geerbt hat, in Ordnung bringen.“ Das Zitat des Gouverneurs wurde zum Gesprächsthema in allen föderalen Medien.