17.04.2026

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Folge 19-24 vom 10. Mai 2024 / Leserforum

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-24 vom 10. Mai 2024

Leserforum

Geschichtsvergessenheit

Zu: Die Vertreibung geht weiter (Nr. 17)

Auch wenn meine Familie aus dem Rheinland stammt, erschüttert es mich sehr, wie mehr und mehr versucht wird, mit Blick auf die Geschichte Ostdeutschlands die Tatsachen zu verdrängen und zu leugnen. Ich frage mich dann immer: Warum? Denn die außergewöhnliche Friedensleistung der gut zwölf Millionen Vertriebenen nach 1945 hätte meines Erachtens längst den Friedensnobelpreis verdient.

Gerne erinnere ich mich an die vielen Flüchtlinge aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland, denen ich hier im Rheinland begegnen durfte: So viel an Güte, Dankbarkeit, Glaubenstiefe, Engagement und Lebensfreude habe ich in der Begegnung gerade mit ihnen gefunden. Wie sehr hatte mich das Buch „Hiob“ von Joseph Roth (geboren in Czernowitz, damals Österreich-Ungarn, heute Ukraine) berührt.

Es war dann wohl ein Fehler, das historische „Mitteldeutschland“ nach 1960 mehr und mehr zu einem „Ostdeutschland“ zu erklären. Für das tatsächliche Ostdeutschland, das bis 1945 für jeden sichtbar bestand, war dann wohl kein Platz mehr. Wer weiß denn noch, dass das bedeutendste deutsche (katholische) Bistum das Erzbistum Breslau in Schlesien war, dessen Erzbischof nicht nur Kardinal, sondern auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war? 

Und wer stutzt nicht im Kölner Käthe-Kollwitz-Museum, wenn er das berühmte Plakat „Nie wieder Krieg!“ mit dem Zusatz: „Mitteldeutscher Jugendtag, Leipzig, 2.–4. August 1924“ betrachtet. Die Liste der deutschen Schriftsteller, Philosophen und Künstler aus Ostdeutschland und dem darüber weit hinausgehenden Osten Europas ist schier endlos. Allein aus Ostpreußen kommen mir spontan neben Käthe Kollwitz (geboren in Königsberg), auch Immanuel Kant (geboren und gestorben in Königsberg), Hannah Arendt (aufgewachsen in Königsberg) und Siegfried Lenz (geboren in Lyck) in den Sinn. 

In diesen Tagen wird der Geschichtsvergessenheit geradezu die Krone aufgesetzt, wenn im Ukrainekrieg argumentiert wird, dass die Ukraine eben auch darum nicht geteilt werden dürfe, weil man doch auch die Teilung Deutschlands in West- und Ostdeutschland überwunden und Deutschland wiedervereinigt habe. 

Und genau hier versagt die deutsche Außenpolitik so sehr, weil sie im Konflikt um die Ostukraine so viele Lösungsmöglichkeiten (mit Blick auf die eigene Geschichte im 20. Jahrhundert) anbieten könnte.

Ottfried Wallau, Siegburg






Ein Identitätsproblem

Zu: Die Vertreibung geht weiter (Nr. 17)

Bestimmte Kreise in Deutschland wollen uns der nationalen Identität berauben. Die Geschichte der Vertreibung, der deutschen Ostgebiete und die der von Preußen ist zu einem roten Tuch geworden. Dieser anmaßende Hang zur Volksverachtung ist einfach nur abstoßend, aber keiner kann sich von dem Volk ausnehmen, dem er angehört. 

Was sagte John C. Kornblum, der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, dessen Großeltern aus Ostpreußen stammen, in einem Interview im Jahr 2016 dazu? „Was mich seit Jahren stört, ist, dass man in Deutschland die deutsche Identität geradezu leugnet.“ Er kannte die Deutschen wohl besser als viele von uns selbst. Und dem ist nichts hinzuzufügen.

Dr. Hans-Dieter Seul Berlin






Herz- und gedankenlos

Zu: Scholz’ würdigendes Gedenken und Roths fatale Gedanken (Nr. 16)

Die Streichung des Begriffs „Deutsch“ aus dem Namen des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte im östlichen Europa sowie die lediglich zehn Zeilen umfassende Darstellung der Vertreibung von mehr als zwölf Millionen Deutschen mit zwei Millionen Vertreibungstoten in einem von der Kulturstaatsministerin Claudia Roth zu verantwortenden „Rahmenkonzept Erinnerungskultur“ kommt nach der realen Vertreibung 1945/46 und nach der Vertreibung aus der deutschen Politik seit den 1960er Jahren einer dritten Vertreibung gleich: der Vertreibung aus der Geschichte und der Erinnerung.

Herz- und gedankenloser kann man mit diesen Menschen, die in Form von Entrechtung, Enteignung, Heimatverlust, Zwangsarbeit, Lagerhaft, Verschleppung und Massakern – beispielhaft sei hier nur auf die schrecklichen Geschehnisse in Königsberg, Prag und Brünn verwiesen – die Hauptlast für die Verbrechen der NS-Herrschaft zu tragen hatten, nicht um­gehen.

Dr. Walter Kreul, Germering






Undemokratischer Vorgang

Zu: Scholz’ würdigendes Gedenken und Roths fatale Gedanken (Nr. 16)

Demokratie und Einwanderungsgesellschaft (extrem komische Wortbildung) 

– wie passt das zusammen? Erstens sind Einwanderer zunächst einmal Staatsbürger eines anderen Staats. Nach unserem Demokratieverständnis sind sie für jenen Staat und dessen Staatsangehörige verantwortlich. Diesen einfach zu verlassen, um sich in einem anderen Staat niederzulassen, ist demzufolge kein demokratischer Vorgang.

Zweitens spielt bei diesem Vorgang die hiesige einheimische Bevölkerung eine rein passive Rolle – sie wird gewissermaßen eingewandert (oder wie soll man das sonst formulieren?). Staatsbürger anderer Staaten spielen dagegen die aktive Rolle. 

Nach unserem Demokratieverständnis müsste es aber genau umgekehrt sein. Denn umgekehrt dürfen wir auch nicht einfach in fremde Staaten einwandern, dagegen steht eindeutig der Artikel 11 des Grundgesetzes (findet komischerweise statt, ist eindeutig verfassungswidrig). Man muss wohl davon ausgehen, dass Kulturstaatsministerin Claudia Roth und andere im Grunde noch in der Vorstellungswelt des alten Obrigkeitsstaates leben, in dem der Bürger nur Untertan und damit auswechselbar war.

Wolfgang Beck, Coswig (Anhalt)






Königsberger Raumzeit

Zu: Ein Weltbürger und seine Heimat (PAZ-Online, 22. April)

Der Philosoph Immanuel Kant war ein Weltenbürger. Und es war ein buntes Völkergemisch in Ostpreußen. Menschen aus vielen Ländern haben sich dort angesiedelt: Hugenotten, Österreicher evangelischen Glaubens, konvertierte Juden, auch die erste Frau, die sich über die Rolle der Frauen und die Probleme der Frauen ohne Ausbildung Gedanken machte, Fanny Lewald.

Die bedeutenden Frauen werden in der Geschichte meist übergangen. Auch Luise von Preußen, die sich Napoleon anbiedern musste, um den Friedensvertrag von Tilsit zu ermöglichen, wird gerne 

vergessen.

Der Mathematiker und Physiker Hermann Minkowski wird hier am Rande erwähnt und seine Theorie der Raumzeit. Ich habe den Eindruck, jetzt in einer Raumzeit aufzuwachen, wo der ganze Erdball von Satelliten umstellt ist.

Wie kommt man denn da nun bloß wieder heraus? Einige versuchen, mit einem weltweiten Sozialismusprojekt die Machtgierigen einzufangen, aber von diesen Sozialisten scheint jeder ein Napoleon sein zu wollen. Da bräuchte man jetzt aber viele bedeutende Frauen, um das zu stoppen und die Politiker aller Länder für einen Friedensvertrag an einen Tisch zu bringen. 

Das Alphatier-Verhalten bringt keinen Frieden. Die bekämpfen sich so lange gegenseitig, bis ein unangefochtenes Alphatier feststeht. Wollen wir wirklich bei diesem Affenzirkus zuschauen? Oder finden sich Frauen, die wenigstens ihre von KI ferngesteuerten Männer zurückholen auf die Erde?

Valentina Selge, Jork