Vorfälle von politischer Brisanz, bei denen zahlreiche Menschen mysteriöse Symptome entwickelten, gab es in der Vergangenheit schon einige. Ein typisches Beispiel hierfür ist die sogenannte Arjenyattah-Epidemie im israelisch besetzten Westjordanland. Zwischen dem 21. März und 3. April 1983 klagten 949 Personen in den Orten Arraba, Dschenin, Hebron und Yatta über Atemnot, Schwindel und Schmerzen in Kopf und Bauch. 77 Prozent der Betroffenen waren palästinensische Schulmädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren. Deshalb wurden schließlich alle Schulen im Westjordanland geschlossen.
Noch vor Abschluss der offiziellen Untersuchungen machte sich das Gerücht breit, Israel hätte schwefelhaltiges Giftgas eingesetzt. Daraufhin sprach die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa von einem „Massenmord in den besetzten Gebieten“, und der PLO-Chef Jassir Arafat bezeichnete die Vorgänge im Westjordanland als „Teil des geplanten und systematischen Genozids am palästinensischen Volk“. Umgekehrt behauptete die israelische Zeitung „Ha’aretz“, Terroristen der PLO hätten Nervengas freigesetzt, um einen Aufstand ihrer Landsleute zu provozieren. Das bewog schließlich den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, am 4. April 1983 auf eine unabhängige Untersuchung der „Vergiftungsfälle“ durch die Weltgesundheitsorganisation WHO zu drängen. Diese erbrachte dann allerdings den gleichen Befund, zu dem israelische und US-amerikanische Mediziner schon vorher gelangt waren.
Der schwefelige Geruch, über den die „Opfer“ in Arraba berichteten, kam aus einer defekten Toilette auf dem Schulhof. Und das gelbe Pulver, das in anderen Schulen für Panik gesorgt hatte, entpuppte sich als ganz gewöhnlicher Blütenstaub. Des Weiteren konnten weder im Blut noch im Urin der vermeintlich Betroffenen irgendwelche Giftstoffe nachgewiesen werden. Also war das Ganze ein klassischer Fall von Massenhysterie unter Teenagern.W.K.


