Obwohl es ausgesprochen unwahrscheinlich ist, dass Mikrowellen- oder Schallkanonen für das Havanna-Syndrom verantwortlich sind, existieren solche Waffensysteme in den Arsenalen Russlands, Chinas und der Vereinigten Staaten.
Zu den mittlerweile allgemein bekannten Schallwaffen zählt das Long-Range Acoustic Device (LRAD) der US-amerikanischen Firma Genasys. Das Gerät sendet hörbare akustische Signale im Bereich von 2100 bis 3100 Hertz aus, wobei der Schalldruckpegel 150 Dezibel (dB) erreichen kann. Zum Vergleich: Ab 85 dB drohen bei längerfristiger Einwirkung Hörschäden, und die Schmerzgrenze liegt bei 130 dB. Darüber hinaus kann das LRAD auch schrille Töne erzeugen, die ebenfalls extrem unangenehm sind.
Der erste Einsatz der Waffe erfolgte im Dritten Golfkrieg 2003, in dem die USA zusammen mit einer „Koalition der Willigen“ Bagdad eroberten und den Diktator Saddam Hussein stürzten. Später wurde das LRAD auf Kreuzfahrtschiffen installiert und zur Piratenabwehr verwendet. So schlug die „Seabourn Spirit“ des britisch-amerikanischen Unternehmens Carnival Corporation am 5. November 2005 eine Gruppe somalischer Piraten mit der nicht-tödlichen Waffe in die Flucht. Außerdem nutzten die Sicherheitskräfte der USA die Schallkanone schon mehrfach, um wilde Demonstrationen aufzulösen. Das geschah beispielsweise 2009 während des G20-Gipfels in Pittsburgh und 2014 anlässlich der Unruhen in der Kleinstadt Ferguson, die ausbrachen, nachdem ein Polizist einen Schwarzen erschossen hatte.
Kritiker des LRAD bemängeln, dass sein Einsatz zu bleibenden Hörschäden führen könne. Dahingegen meinen Sicherheitsexperten, es sei zu wenig wirksam, wenn der Gegner Ohrstöpsel verwende.
Neben dem LRAD besitzen die USA auch eine Mikrowellenwaffe namens Active Denial System (ADS). Diese wurde bereits in den 1980er Jahren vom Air Force Research Laboratory entwickelt, aber bisher nicht im Kampf eingesetzt. Sie wirkt in freiem Gelände bis zu einer Distanz von 500 Metern. Die hohe Strahlungsenergie erzeugt Schmerzreize an der Körperoberfläche der Getroffenen, die zur Flucht animieren sollen.
Das vom Rüstungskonzern Raytheon produzierte ADS steht seit Längerem in der Kritik, weil die Strahlendosis, welche die Zielperson erhält, kaum zu kontrollieren ist. So sind schwere Verbrennungen möglich, wenn der Getroffene nicht zurückweichen kann, in nasser Kleidung steckt oder metallische Gegenstände in den Taschen hat. Ganz abgesehen von der fatalen Wirkung auf die Augen, wenn keine Schutzbrille getragen wird.W.K.


