Von Berlins Schulen hört man viel, aber selten etwas Gutes. Gewalt auf Schulhöfen ist ein Dauerthema, Schüler, die ohne jede Deutsch-Kenntnis in die Schule kommen, obwohl sie in Deutschland geboren wurden, ja sogar ganze Klassen von Sitzenbleibern. Schultoiletten sind nach wie vor ein Sanierungsfall, das Unterrichtsmaterial knapp, noch knapper sind die Lehrkräfte.
Die Verbeamtung der Lehrer scheint sich auf die Erhöhung des Krankenstandes ausgewirkt zu haben, hört man hinter vorgehaltener Hand. Sportliche Wettbewerbe, Zensuren und Beurteilungen sind geächtet. Lehrer wagen es nicht mehr, ihren Schülern klare Ansagen zu machen, entsprechend sieht die Disziplin aus, besonders in den höheren, migrantisch geprägten Klassen. Dennoch hat das Berliner Bildungssystem einen großen Erfolg zu vermelden: Eine aktuelle Studie sieht die Bildungschancen in Berlin, dicht gefolgt von Brandenburg, „am wenigsten ungerecht“.
Donnerwetter! Was heißt das und wie kommt das zustande? Zwar entscheidet auch in Berlin das Einkommen und die Bildung der Eltern stark über die Bildung eines Kindes – aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind mit einem niedrigeren Bildungs- und Einkommenshintergrund ein Gymnasium besucht, ist in Berlin laut einer Studie des Ifo-Instituts etwas höher als in anderen Bundesländern. Die Wahrscheinlichkeit eines Gymnasialbesuchs für Kinder aus Familien, in denen kein Elternteil Abitur hat, liegt in Berlin bei 37,1 Prozent. Deutschlandweit sind es nur 26,7 Prozent der Kinder mit diesem Hintergrund.
Als Grund für die etwas besseren Chancen sehen die Autoren die sechsjährige Grundschulzeit und die spätere Aufteilung auf weiterführende Schularten, nicht das niedrigere Anforderungsniveau an Berliner Gymnasien, das bewirkt, dass manche bayrischen Schüler in Berlin Abitur machen.


