29.10.2026

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Folge 20-24 vom 17. Mai 2024 / Sicherheit / Sandburgen sind gefährlicher als Haie / Forscher weisen nach: In den beliebten Strandbauten verunglücken mehr Menschen tödlich als durch Attacken von Meerestieren

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-24 vom 17. Mai 2024

Sicherheit
Sandburgen sind gefährlicher als Haie
Forscher weisen nach: In den beliebten Strandbauten verunglücken mehr Menschen tödlich als durch Attacken von Meerestieren
W.K.

Der Aufenthalt am Meer und das Baden in der offenen See sind nicht ungefährlich. Vor allem in wärmeren Gewässern stellen auch Haie oder giftige Schlangen, Quallen und ähnliches Getier ein Risiko dar. Diese Gefahr wird allerdings überschätzt. So zeigt eine Studie von Sean Kelly, Shane Daw und Jasmin Lawes von der Rettungsorganisation Surf Life Saving Australia, die im März im „Australian and New Zealand Journal of Public Health“ erschien, dass nur rund zwei Prozent der 1667 Menschen, welche zwischen 2012 und 2022 an australischen Stränden ums Leben kamen, Opfer der Meeresfauna wurden. 

In der Mehrzahl gingen die Todesfälle auf Ertrinken, Herzversagen und schwere Verletzungen zurück, die nicht aus dem Kontakt mit Tieren resultierten. Gleichzeitig zeigte die Untersuchung der Mediziner Bradley Maron, Barry Maron und Tammy Haas von der Harvard Medical School in Boston und der Minneapolis Heart Institute Foundation, über deren Ergebnisse im „New England Journal of Medicine“ berichtet wurde, eine weitere Gefahrenquelle auf, welche in der öffentlichen Wahrnehmung freilich noch kaum eine Rolle spielt.

In dem Zehn-Jahres-Zeitraum von 1997 bis 2007 wurden elf Menschen an den Küsten der USA von Haien attackiert, wobei die meisten keine tödlichen Verletzungen erlitten. Parallel hierzu ereigneten sich allerdings laut Aussage der drei US-Ärzte 52 schwere Unfälle mit Sandburgen am Strand, bei denen es 31 Tote gab – die übrigen Opfer konnten noch rechtzeitig geborgen werden und überlebten dank sofort eingeleiteter medizinischer Maßnahmen. Die Betroffenen waren dabei zumeist junge und fast immer männliche Personen im Alter zwischen drei und 21 Jahren. Die Sandburgen, in denen sie verunglückten, wiesen Durchmesser zwischen 0,6 und 4,6 Metern und Tiefen von 60 bis 370 Zentimetern auf.

Wenn es zu Todesfällen infolge des Einsturzes der Sandburgen beziehungsweise der Wände von selbst gegrabenen Löchern im Sand kam, rührten sie stets aus dem Gewicht des Sandes, welches den Atemvorgang blockierte und das Blut in den Kopf presste, was zu tödlichen Hirnschädigungen führte. Sand in der Lunge wies dahingegen keiner der Verstorbenen auf.

Die zur Todesfalle gewordenen Sandburgen entstanden allesamt in ursprünglich nassem Sand, der Böschungswinkel bis fast 90 Grad erlaubt. Wenn die Sonne den Sand dann austrocknet, wird er schon bei einer Wandneigung von rund 30 Grad instabil. Ab diesem Moment reichen bereits kleine Erschütterungen, Windstöße, weiteres Graben oder das Hineinfallen in das Loch, um die Katastrophe auszulösen.

Ebenso ist es überraschend schwer, verschüttete Personen schnell wieder zu befreien: Der Sand umschließt die Opfer sehr fest, was die Bergung ungemein verkompliziert. Um Unfälle mit Bauten am Strand zu vermeiden, empfehlen Maron und seine Kollegen neben der lückenlosen Beaufsichtigung spielender Kinder, nur maximal knietiefe Löcher zu graben und diese vor dem Weggehen wieder zuzuschütten. Das diene im Übrigen auch dem Schutz von Tieren am Strand.