An der Seite Adenauers
Auguste Zinsser, genannt Gussie, liegt im Sterbebett. Sie erinnert sich an die männlichen Eckpfeiler ihres Lebens: Ihr Vater, ein Professor der Dermatologie, hat sie früh zu eigenem Denken angeregt. Entgegen der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts macht er keinen Unterschied zwischen der Erziehung eines Sohnes oder einer Tochter. Er fördert den Intellekt und die musische Begabung der Tochter, eine eigene Meinung und Selbstbewusstsein gehören dazu. Als junge Frau lernt sie den fast 20 Jahre älteren Kölner Oberbürgermeister und Witwer Konrad Adenauer kennen und lieben. Auch er akzeptiert ihre Meinung, sucht sogar ihren Rat für seine Reden.
Als das NS-Regime die politische Macht in Deutschland übernimmt, muss sich Adenauer als Mitglied der Zentrumspartei von allen Ämtern zurückziehen. Wie wird die Familie diese schwere Zeit überstehen? Der dritte Mensch und ihre traurigsten Gedanken gelten ihrem Erstgeborenen Ferdinand, der als Säugling starb.
Die Kapitel in Christoph Wortbergs Roman „Gussie“ werden mit Briefen von ihr, ihrem Vater und Adenauer eingeleitet. Obwohl fiktiv, orientieren sie sich an den geschichtlichen Ereignissen. Der preisgekrönte Autor von Jugend- und Kriminalromanen schildert gefühlvoll eine außergewöhnliche Geschichte, die zum Denken anregt und Lebensweisheiten parat hält. Angela Selke
Christoph Wortberg: „Gussie“, dtv, München 2024, gebunden, 287 Seiten, 24 Euro
Mit Liebe zur Heimat verfasst
Mit seinem literarischen Reiseführer „Helle Sterne verblassen nicht“ hat der in Neustrelitz geborene und als Kenner der preußischen und mecklenburgischen Geschichte be- und anerkannte Experte seiner Heimat ein Denkmal gesetzt, das einer Liebeserklärung gleichkommt. Hans-Joachim Nehring führt den Leser beginnend von Stavenhagen in Mecklenburg, dem Geburtsort des niederdeutschen Dichters Fritz Reuter, über das Dorf Ankershagen, in dem der berühmte Archäologe Heinrich Schliemann zur Welt kam, zu Gutshäusern, Naturdenkmälern, zur Wirkungsstätte des Dichters Fritz Reuter in Neubrandenburg, zu Schlössern auf Usedom und in Brandenburg oder Berlin. Bilder und Gedichte, zum Teil eigene aus der Feder des Autors, lockern das bibliophil gestaltete Bändchen auf.
Das Buch ist ein ideales Geschenk für Menschen, die sich für die Landschaft der norddeutschen Tiefebene und für deutsche Dichter interessieren. Manuela Rosenthal-Kappi
Hans-Joachim Nehring: „Helle Sterne verblassen nicht. Ein literarischer Reisebegleiter“, Haag + Herchen Verlag, Hanau 2023, kartoniert, 101 Seiten, 19,80 Euro


