Das Image der Boeing Company hat in letzter Zeit nicht nur aufgrund der Pro-bleme mit Verkehrsmaschinen aus der Produktpalette des Konzerns gelitten, sondern ebenso wegen diverser Fehlleistungen auf dem Gebiet der Raumfahrttechnik.
Dabei zählte Boeing früher auch hier zu den Branchenführern. Beispielsweise fertigte das Unternehmen die gigantische Startstufe der Mondrakete Saturn V, das Mondauto für die Apollo-Astronauten namens Lunar Roving Vehicle (LRV), zentrale Segmente der Internationalen Raumstation ISS sowie den wiederverwendbaren unbemannten Raumgleiter X-37. Im Jahr 2010 beteiligte sich Boeing am Wettbewerb um die Entwicklung eines neuen US-Raumschiffes für bis zu sieben Astronauten, welches das in die Jahre gekommene Space Shuttle ablösen sollte. Hier gelangte der Konzern zusammen mit Elon Musks SpaceX in die Endrunde. Die letztere Firma erhielt anschließend nur halb so hohe staatliche Zuschüsse wie Boeing, war aber dennoch deutlich schneller: Das SpaceX-Gefährt „Crew Dragon“ absolvierte seinen bemannten Jungfernflug bereits im Mai 2020, während die Boeing-Kapsel CST-100 „Starliner“ bis heute keine einzige Mission mit Astronauten an Bord unternahm. Stattdessen gab es unzählige blamable Pannen.
Beim ersten Test der Rettungssysteme im Rahmen eines simulierten Startabbruchs im November 2019 versagte einer der Hauptfallschirme. Sechs Wochen später flog der „Starliner“ ohne Besatzung in Richtung ISS. Allerdings misslang die geplante Ankopplung wegen gravierender Softwareprobleme, die 80 „Korrekturmaßnahmen“ erforderten.
Im Anschluss an die zweite unbemannte Mission zur ISS im Mai 2022 entdeckten die Boeing-Ingenieure weitere Fehler am Gurtsystem der Fallschirme sowie brandgefährlich installierte Kabelbäume. Und momentan verzögert sich der erste Flug mit zwei Astronauten an Bord aufgrund etlicher weiterer technischer Mängel. Der nächste Startversuch sollte im Mai erfolgen, während die Kapsel „Crew Dragon“ von SpaceX mittlerweile gerade wieder einmal für 180 Tage an der ISS hängt, nachdem sie bereits zum achten Mal Astronauten zur Station transportiert hat.
Genauso zäh wie die Entwicklung des „Starliners“ verlief die der neuen NASA-Schwerlastrakete für Mondflüge Space Launch System (SLS), an der Boeing maßgeblich mitbeteiligt ist. Hier erfolgte der erste unbemannte Testflug fünf Jahre später als geplant – und mit einer vollbesetzten „Orion“-Raumkapsel der Lockheed Martin Corporation an der Spitze wird das SLS wohl frühestens 14 Jahre nach der Auftragsvergabe in Richtung Mond starten. W.K.


