19.04.2026

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Folge 21-24 vom 24. Mai 2024 / Horst Frank / „... mordet für Deutschland“ / Mörder und Verbrecher vom Dienst des deutschen Nachkriegsfilms – Der Schauspieler starb vor 25 Jahren in Heidelberg

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-24 vom 24. Mai 2024

Horst Frank
„... mordet für Deutschland“
Mörder und Verbrecher vom Dienst des deutschen Nachkriegsfilms – Der Schauspieler starb vor 25 Jahren in Heidelberg
Manuel Ruoff

In Anspielung auf den Titel des Sportlerdramas „... reitet für Deutschland“ mit seinem Schauspielerkollegen Willy Birgel hat Horst Frank sich scherzhaft mit „... mordet für Deutschland“ vorgestellt. In der Tat verkörperte kaum ein deutscher Nachkriegsschauspieler so schön Mörder und fiese Verbrecher wie er. 

Vor 95 Jahren, am 28. Mai 1929, kam Horst Bernhard Wilhelm Frank in Lübeck als zur Welt. Dem Besuch der Mittelschule folgte eine Lehre als Im- und Exportkaufmann, doch musste der Kaufmannssohn diese wegen des Militärdiensts zum Ende des Weltkriegs abbrechen. 

Nach dem Krieg finanzierte er sich als Nachtwächter, Babysitter, Verkäufer und Schaufensterdekorateur sowie mit anderen Gelegenheitsarbeiten eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Die Abschlussprüfung bestand er nicht. Ein Grund war laut seiner eigenen Aussage ausgerechnet sein wundervoll warmes Organ, das er später noch für Hörspiele und selbstgetexteten Sprechgesang nutzte. 

Trotz des fehlenden Abschlusses bekam Frank 1950 ein erstes Engagement in seiner Geburtsstadt Lübeck. Es folgten Verpflichtungen in Bonn, Basel, Baden-Baden und Wuppertal. In Baden-Baden kam Frank auch mit dem Fernsehen in Form des Südwestfunks in Berührung. Die erste Fernsehrolle hatte er in „Die Geschichte vom Soldaten“ aus dem Jahr 1955. Zu Theater und Fernsehen kam noch im selben Jahrzehnt das Kino. Frank formulierte es wie folgt: „In meinem ersten Film wurde ich getötet, dann habe ich mich selber umgebracht, im dritten hab’ ich dann schon getötet, dann hatte ich viele, viele Jahre meine Leute, die es für mich taten ...“ 

So kann man es auch formulieren. In seinem ersten Spielfilm „Der Stern von Afrika“ von 1957 gehörte er als Albin Droste zu den Fliegerkameraden der von Joachim Hansen dargestellten Titelfigur Jochen Marseilles, die wie dieser selbst im Zweiten Weltkrieg fielen. Im zweiten Film, der Romanverfilmung „Haie und kleine Fische“ von 1957, spielt er einen Freund der Hauptfigur, der Selbstmord begeht, als er vom Tod seines jüdischstämmigen Vaters, eines Regimekritikers, im KZ Bergen-Belsen erfährt. Er spricht zu der von Hansjörg Felmy gespielten Hauptfigur den Satz, der dem Film seinen Titel gab: „Wir beide, wir sind ganz kleine Fische und wir werden alle, der eine früher, der andere später, von den Haien gefressen werden, jenen Herren, die einem Riesenhai gehorchen, der nur vom Töten lebt.“ Im dritten Film, dem Krimi „Der Greifer“ von 1958, ist er dann erstmals der vom Ermittler gejagte Mörder. Es folgten Hunderte von Fernseh- und Spielfilmauftritten, in denen Frank in der Regel entweder selbst mordete oder als schmieriger, kaltblütiger Gangsterboss morden ließ. 

Zehn Jahre vor seinem Tod äußerte Frank in einer Fernsehdiskussion den Wunsch, „dass dann, wenn es soweit ist, dass es bitte dann auch sehr schnell geht“. Ein Jahr vor seinem Tod erschien mit „Die Menschen sind kalt“ der letzte Spielfilm mit ihm. Einen Monat vor seinem Tod hatte mit „Rasputin“, der 210. Folge von „Polizeiruf 110“, die letzte Fernsehproduktion mit ihm Premiere. Auch Theater spielte er bis zuletzt. Er war gerade dabei, sich in Heidelberg von einer strapaziösen Tournee zu erholen, als er am 25. Mai 1999 mit Herzversagen zusammenbrach. Er wurde reanimiert und auf die neurologische Intensivstation der Uniklinik verlegt. Dort starb er gegen 21 Uhr.