Dutzende von Schlössern, Gutshäusern und Festungen auf dem Gebiet Ostpreußens verfallen vor den Augen der Öffentlichkeit. Der Grund dafür sind entweder Investorenmangel oder falsche Handlungen der verantwortungslosen Privatunternehmer, in deren Hände das jeweilige Baudenkmal einmal überging. Das Schicksal vieler verfallener historischer Gebäude hätte auch die Burg in Schönberg bei Deutsch Eylau teilen können.
Zum Glück kam es jedoch anders, und nach ein paar Jahren bürokratischer Hürden, die überwunden werden mussten, haben die ersten wahrnehmbaren Restaurierungsarbeiten begonnen. Grzegorz Słyszyk, Vorsitzender des in Warschau ansässigen Unternehmens IBC Investments, hatte im Jahr 2018, als er bei der Versteigerung der historischen Ruinen der Burg Schönberg den Zuschlag erhalten hatte, mitgeteilt, dass er hier nicht nur Ausstellungsräume, sondern auch ein internationales Konferenzzentrum errichten wolle. Längerfristig ist auch die Errichtung eines Hotels geplant, das mit einem Museum kombiniert werden soll.
Aus Dornröschenschlaf erwacht
Die Pläne für den Wiederaufbau der Burg sollen ihre Umgebung einbeziehen. Zweifellos wird die vollständige Restaurierung des Bauwerks zahlreiche denkmalpflegerische Genehmigungen und finanzielle Aufwendungen in dreistelliger Millionenhöhe erfordern, aber die ersten Restaurierungsarbeiten sind bereits im Gange. Die Arkadenbrücke, die ein Schlüsselobjekt für die weitere Nutzung des Innenhofs für Tagungen oder Veranstaltungen ist, wurde wiederhergestellt. Da das Gebäude als mittelalterliches gotisches Baudenkmal gilt, kann mit staatlichen Mitteln gerechnet werden, wie auch die Wiederherstellung des Eingangstores zeigt.
Sowohl das Unternehmen, das derzeit Eigentümer der Burg ist, als auch die Stiftung Burg Schönberg, die unter anderem Aktivitäten zur Errichtung eines historisch-kulturellen, pädagogischen, wirtschaftlichen und touristischen Zentrums auf dem Schlossgelände unterstützen will, sind noch auf der Suche nach externen Mitteln und Finanzierungsmöglichkeiten für die nächsten Etappen des Wiederaufbaus des mächtigen Baudenkmals.
Die Burg kann auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurückblicken. Sie wurde im 14. Jahrhundert als Ordensburg des Deutschen Ordens errichtet. Ihre Besitzer wechselten häufig. Mal gehörte das gotische Bauwerk dem polnischen König, ein anderes Mal fiel es in die Hände des Bischofs von Pomesanien, später ging sie in den Besitz des Bischofs des Samlandes über. Im 17. Jahrhundert erwarb die ostpreußische Adelsfamilie Finck von Finckenstein die Burg, welche sie samt Gut bis 1945 innehatte. Am Ende des Zweiten Weltkriegs richtete die Rote Armee in der Ordensburg einen Militärstützpunkt ein. Bei ihrem Abzug brannten die Russen den Bau vollständig nieder. Die erhaltenen Ruinen überdauerten bis in die Gegenwart.
Energie und Geduld vonnöten
Zwar blicken die Liebhaber der gotischen Architektur optimistisch in die Zukunft und träumen davon, dass der Burg nach Jahrzehnten der Verwahrlosung ihre Pracht zurückgegeben wird, aber viele sind sich auch dessen bewusst, dass dieses Vorhaben eine schwierige finanzielle Herausforderung ist. Słyszyk und die Stiftung Burg Schönberg müssen dem Bauvorhaben noch viel Energie und Geduld widmen.


