Der französische Auslandsgeheimdienst DGSE und Kenner der aktuellen Situation auf Neukaledonien wie Jacob Ross von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik gehen unisono davon aus, dass hinter den Unruhen in der französischen Überseegemeinschaft mit besonderem Status auch ausländische Mächte stecken. Bekanntlich versuche Russland, Konflikte im globalen Süden zu schüren, um dem Westen – und hier insbesondere der „Kolonialmacht“ Frankreich – zu schaden.
Ebenso liege es im geopolitischen Interesse Chinas, die französische Position im Pazifikraum zu unterminieren, weil Paris hier gegen Peking agiere. Darüber hinaus reflektiere die Volksrepublik auf die reichen Nickelvorkommen Neukaledoniens und verfolge parallel das Ziel, dort – so wie in Vanuatu und Papua-Neuguinea auch – einen großen Überseehafen zu bauen. Allerdings sei das Vorgehen Russlands und Chinas vergleichsweise subtil. Anders verhalte es sich dahingegen im Falle der autoritär regierten Republik Aserbaidschan.
Und tatsächlich lässt deren Machthaber Ilham Alijew nichts unversucht, um sich als Beschützer der Ureinwohner von Neukaledonien und anderen französischen Überseeterritorien zu präsentieren. Beispielsweise initiierte er im Juli 2023 ein Treffen von Unabhängigkeitsbefürwortern aus Martinique, Guadeloupe, Französisch-Guayana, Mayotte, Neukaledonien, Französisch-Polynesien und Korsika. Während dieser Zusammenkunft formierte sich die sogenannte Baku-Initiativgruppe, deren Ziel darin besteht, die „Befreiungsbewegungen in den französischen Kolonien zu unterstützen“. Darüber hinaus kam es im April 2024 zur Unterzeichnung eines Kooperations-Memorandums zwischen dem Kanaken-Parlament auf Neukaledonien und der Nationalversammlung von Aserbaidschan.
Antikolonialistische Attitüde
Die antikolonialistische Attitüde Alijews ist jedoch nur vorgespiegelt. In Wirklichkeit will sich der Diktator für die langjährige Unterstützung Armeniens durch Frankreich rächen – zumal Paris nun sogar angekündigt hat, Waffen an den aserbaidschanischen Erbfeind Armenien zu liefern, damit dieser die fortwährenden Attacken von Alijews Streitkräften besser abwehren kann. Somit geht es bei der Einmischung Bakus in Neukaledonien sehr viel eher um Vergeltung als um Hilfe für die angeblich unterdrückten Kanaken.
Dergestalt äußerte sich jetzt auch der unabhängige aserbaidschanische Journalist Cavid Ağa. Niemand in seinem Lande interessiere sich ernsthaft für die Ureinwohner von Neukaledonien. Der ganze Rummel um die Baku-Initiativgruppe sei „lediglich eine Show“, sagte er.


