Die Nervosität steigt. Als Robert F. Kennedy vor gut einem Jahr ankündigte, sich um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten zu bewerben, da ereilte ihn das Lob des republikanischen Herausforderers Donald Trump. Kennedy sei „ein guter, schlauer Kerl“, sagte Trump damals. Ein Jahr später ist die Stimmung abgekühlt, Kennedy ist für Trump nicht mehr als ein „trojanisches Pferd der Demokraten“. Aus dem Rennen der Demokraten stieg der Neffe des ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy aus, als ersichtlich war, dass sich Joe Biden erneut zur Wahl stellen würde. Seitdem tourt er als Unabhängiger durch das Land.
Und das mit beträchtlichem Erfolg. Rund zehn Prozent der US-Bürger würden ihn derzeit wählen, was auch mit dem Alter der beiden etablierten Kandidaten zusammenhängt. Der amtierende Präsident ist 81 Jahre alt, Trump auch schon 77. Mit seinen 70 Lenzen kommt Kennedy junior regelrecht jugendlich daher und zelebriert es auch. Zu Beginn seiner Kampagne präsentierte er sich mit freiem Oberkörper beim Krafttraining.
Sein Werbefeldzug zeigt Wirkung
Zwar ist „RFK“ nach wie vor krasser Außenseiter, doch die ersten Hürden hat er schon genommen. „Die Meinungsmacher haben zu Beginn unseres Wahlkampfs gesagt, es sei unmöglich für uns, es auf den Wahlschein zu schaffen“, sagte Kennedy, nachdem er im schwierigen Bundesstaat Texas die erforderlichen Unterschriften gesammelt hatte, und fügte hinzu: „Wir werden in allen 50 Bundesstaaten auf dem Wahlschein stehen.“ Noch betrachten ihn Trump und Biden als Zählkandidaten, doch die Nervosität wächst. Sollten Kennedys Werte weiter steigen, dürfte er an den großen TV-Debatten teilnehmen. Spätestens dann würde sich die Frage stellen, wem der unabhängige Kandidat Stimmen kosten könnte. Von der Herkunft her ist Kennedy durch und durch Demokrat. Sein Vater Robert senior war Senator sowie potentieller Präsidentschaftskandidat und fiel wie Bruder John einem Attentat zum Opfer. Über den Tod der beiden Kennedy-Brüder gibt es bis heute zahlreiche Spekulationen und Verschwörungsmythen. Vielleicht ist Kennedy junior auch deswegen so unberechenbar.
Als Verbraucher-Anwalt und Umwelt-Aktivist wurde er zum linken Spektrum gezählt. In der Corona-Pandemie fiel er als Impfgegner auf und behauptete, durch den Lockdown solle die Mittelschicht ausgerottet werden. Die Impfstoffe gegen Corona seien unberechenbar und könnten bei Kindern zu Autismus führen. Antidepressiva seien schuld an Schulmassakern, und WLAN verursache Krebs. Seitdem gilt er Teilen der US-Medien als Rechter. „Er ist der Parkplatz für alle, die ihre Auswahlmöglichkeiten nicht mögen“, sagte Kyle Kondik, Politologe an der Universität von Virginia, gegenüber „tagesschau.de“. Kennedy agiert nicht ungeschickt.
Finanziell benachteiligt
Das Heimatschutzministerium sichert nur den Kandidaten der großen Parteien Personenschutz zu. Kennedy muss ihn sich selbst organisieren und sieht daher einen finanziellen Nachteil. Zudem seien prominente Familienangehörige durch Attentate ums Leben gekommen. Die Empörungsmasche des Außenseiters verfängt, die Umfragewerte steigen. Noch rätseln Trump und Biden, wem Kennedy die entscheidenden Punkte abnehmen wird. Fest steht aber, dass er schon jetzt ein Faktor geworden ist.


