19.04.2026

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Folge 23-24 vom 07. Juni 2024 / Siegfried Lowitz / Der erste „Alte“ war ein Preuße / Der Kriminalbeamte war seine Paraderolle, aber für andere Rollen bekam er die Goldene Kamera – Vor 25 Jahren starb der Mime

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-24 vom 07. Juni 2024

Siegfried Lowitz
Der erste „Alte“ war ein Preuße
Der Kriminalbeamte war seine Paraderolle, aber für andere Rollen bekam er die Goldene Kamera – Vor 25 Jahren starb der Mime

Der „Alte“ ermittelt in München. Und in München ist der erste und bislang einzige nicht mehr lebende Darsteller des „Alten“ auch gestorben. Aber geboren wurde Siegfried Lowitz in Preußen. Am 22. September 1914 kam er als Siegfried Wodolowitz in Berlin zur Welt. Auch seine Eltern hatten künstlerische Berufe. Der Vater war Bildhauer, die Mutter Modeschneiderin.

Als Lowitz sechs Jahre alt war, zog er mit seiner Mutter nach Amsterdam. Nachdem sie an Magenkrebs gestorben war, lebte er ab dem siebten Lebensjahr bei seinem Vater und dessen zweiter Ehefrau in Mainz. 

Bereits während der Schulzeit zeigte sich sein Interesse für das Theater. Nach dem Abitur besuchte er die staatliche Schauspielschule in Frankfurt am Main. Der Ausbildung folgten Auftritte auf Bühnen in Frankfurt, Mainz, Gießen und Breslau. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die 1934 begonnene Theaterkarriere. 1941 wurde er als Grenadier ins Schützen-Regiment 6 der 7. Panzer-Division eingezogen, allerdings 1943 wegen eines Motorradunfalls als frontuntauglich entlassen.

Nach der Gründung des Münchner Kabaretts „Die Schaubude“ im Sommer 1945 wurde Lowitz dessen Mitglied. Bei einer Aufführung fiel er dem Schauspieler, Theaterregisseur und Intendanten Heinz Hilpert auf. Dieser war 1947 Intendant des Schauspiels Frankfurt und holte Lowitz dorthin. Als Hilpert erst nach Konstanz und 1950 nach Göttingen wechselte, folgte ihm Lowitz. Dann trennten sich jedoch bald ihre Wege. Lowitz zog es wieder nach München. Ab 1950 war er Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele und von 1968 bis 1978 des Bayerischen Staatsschauspiels.

1950/51 stand Lowitz das erste Mal vor der Kamera für den Spielfilm „Unsterbliche Geliebte“. Ein halbes Jahrzehnt und acht Filme später spielte er in „Das Sonntagskind“ erstmals einen Kriminalinspektor, seine Paraderolle. Als Kriminalbeamter war er denn auch meist in den Edgar-Wallace-Filmen der 60er Jahre zu sehen. 

Den leitenden Kriminalbeamten spielte er auch in der 1966 erstmals ausgestrahlten Fernsehserie „Die Gentlemen bitten zur Kasse“. Für das Fernsehen arbeitete Lowitz neben dem Kino und dem Theater bereits ab 1954. 

Spätestens das Fernsehen machte Löwitz landesweit bekannt, wenn nicht gar berühmt. Ab 1977 begann der Wahlmünchner, in der von der Neuen Münchner Fernsehproduktion für ZDF, SRF und ORF produzierten Krimiserie „Der Alte“ zur besten Krimisendezeit in der Tradition von „Der Kommissar“ und „Derrick“ zu ermitteln. 100 Folgen lang – und damit länger als Erik Ode den „Kommissar“ Herbert Keller – spielte Lowitz den „Alten“ Erwin Köster. Der Abschied war 1986 endgültig und unwiderruflich. In der letzten Folge starb der Kriminalhauptkommissar den Filmtod.

Wenn der Kriminalbeamte auch Lowitz’ meistgespielte Filmrolle war, so lässt sich der Schauspieler doch nicht hierauf reduzieren. So erhielt er die Goldene Kamera 1968 für die jeweilige Titelrolle in den gleichnamigen Verfilmungen des Romas „Der Trinker“ von Hans Fallada und des Dramas „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch.

1972 drehte Lowitz mit „Dr. Marbuse schlägt zu“ seinen letzten Spielfilm. Im Jahr 1997 entstand mit „Mein Freund Harvey“ der letzte Fernsehfilm und endete mit „Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg“ die letzte Fernsehserie mit ihm. Zwei Jahre später zog sich der mittlerweile an Anämie leidende Schauspieler beim Sturz aus einem Sessel einen doppelten Oberschenkelhalsbruch zu. Vier Wochen später, am 27. Juni 1999, starb Siegfried Lowitz in einem Klinikum der bayerischen Hauptstadt. M.R.