21.04.2026

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Folge 23-24 vom 07. Juni 2024 / Gesellschaft / Generation Y will eigene Arbeitswelt / David Gutensohn spricht sich in seinem Buch „Generation Anspruch“ gegen die traditionelle Art und Weise der Erwerbstätigkeit aus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-24 vom 07. Juni 2024

Gesellschaft
Generation Y will eigene Arbeitswelt
David Gutensohn spricht sich in seinem Buch „Generation Anspruch“ gegen die traditionelle Art und Weise der Erwerbstätigkeit aus
Silvia Friedrich

Der preisgekrönte Autor David Gutensohn richtet sich auf der Titelseite seines Buches „Generation Anspruch“ mit einer provokanten Behauptung an seine Leserschaft: „Arbeit ist nicht alles – und das ist auch gut so“. Die sogenannte Generation Y, also die der jetzt 30-Jährigen, sei nicht mehr bereit, wie ihre Großeltern und Eltern Arbeit über alles zu stellen. Das habe nichts mit Faulheit zu tun. Er selbst sei Teil dieser Generation, die Arbeit radikal hinterfrage. Er habe erlebt, wie seine Mutter sich als Pflegekraft kaputtgearbeitet habe.

Arbeit, die Sinn ergebe, sei das Ziel, ebenso eine Viertagewoche, Aus- und Elternzeiten sowie echte Feierabende. Für alle, die älter sind und viele Jahre Arbeit hinter sich haben, klingt das danach, sich sein ganzes Leben lang „einen faulen Lenz“ machen zu wollen. Doch beim zweiten Blick sieht die Sache anders aus.

In einem Interview sagt Gutensohn, der Beweggrund, dieses Buch zu schreiben, sei sein Ärgernis darüber, dass Politiker seine Generation für arbeitsunwillig hielten. Sie sei nicht mehr bereit, etwas zu leisten. Nach eingehender Studienrecherche zeige sich aber, dass junge Menschen sehr wohl dazu bereit seien, vor allem auch, um mit ihren Jobs etwas zu bewirken und anders und besser zu arbeiten, als es ihre Eltern und Großeltern je konnten. Ihr Anspruch sei es, die Arbeitswelt für alle zu verbessern. Erstmals in der Geschichte, so der Autor, hätten junge Menschen auch die Macht und die Möglichkeiten dazu.

In acht Kapiteln zeigt der Autor, wie sich die Arbeit von der Jungsteinzeit bis heute entwickelt hat, dass Arbeit in Deutschland historisch immer über allem anderen stand und so zu krankmachenden Auswirkungen bei Arbeitnehmern führte. „Niemand sollte sich kaputtarbeiten“, heißt es in Abschnitt drei. 

In Deutschland leiden etwa 18 Millionen Menschen unter psychischen Problemen, viele davon durch Dauerstress am Arbeitsplatz. Sich krank zur Arbeit zu schleppen, sollte ein Relikt aus vergangenen Zeiten sein. Arbeit, die krank mache, gehöre abgeschafft, fordert der Autor. 

Eine überalterte Gesellschaft, Fachkräftemangel – auch durch die in Rente gehenden geburtenstarken Jahrgänge –, zu wenig Nachwuchs und künstliche Intelligenz, die Jobs ersetzen oder ergänzen wird, ändere vieles auf dem Arbeitsmarkt, was die „Generation Anspruch“ in ihren Forderungen bestätige und unterstütze. Wie eine solche Umwälzung funktionieren kann, ist eingehend und nachvollziehbar geschildert.

David Gutensohn: „Generation Anspruch. Arbeit ist nicht alles – und das ist auch gut so“, Oekom Verlag, München 2024, Softcover, 192 Seiten, 22 Euro