Christian Lohse macht in der „Bild“-Zeitung (3. Juni) seinem Ärger Luft über die Scheinheiligkeit der Politik, die aus den leeren Worthülsen nach dem Mord von Mannheim wieder heraustropft:
„Nein, die SPD (mit Ampel) macht, was sie immer macht und was auch die Merkel-Union immer gemacht hat in solchen Situationen: so tun als ob ... Bloß nicht ans Thema Abschiebungen wirklich ran gehen. Bloß nicht diese neue Schnell-und-Einfach-Einbürgerung infrage stellen. Bloß nicht die heilige doppelte Staatsbürgerschaft wieder abschaffen. Bloß nicht an den Grenzen wieder Recht und Ordnung herstellen ... Wen, bitte schön, soll denn ein halbwegs gefestigter Demokrat in diesem Land wählen, wenn er einfach nur Recht und Ordnung haben will?“
Der Kolumnist Don Alphonso erklärt in der „Welt“ (30. Mai), warum die künstliche Aufregung über den „Ausländer raus“-Gesang von Sylt nach hinten losgehen dürfte:
„Unter Mao galt der Spruch: Bestrafe einen, erziehe hunderte. Das hat man auch diesmal wieder versucht, aber bei der versuchten Bestrafung von fünf Syltern lief die Sache so aus dem Ruder, dass jetzt hunderte Politiker und Medienmacher erzogen werden, sobald irgendwo ein Döp ertönt. Denn Autoritäten, die nicht akzeptiert werden, sind keine. Und wer sogar das Abspielen eines Liedes verbieten muss, um einer selbst verursachten Situation noch Herr zu werden, zeigt nur, dass er die Kontrolle auf der ganzen Linie von den ostdeutschen Diskotheken bis nach Sylt verloren hat.“
Jens Blankennagel fragt nach dem tödlichen Messerangriff eines radikalen Moslems in Mannheim in der „Berliner Zeitung“ (3. Juni), welche politischen Folgen solche Taten wohl künftig haben:
„Die Angst zündet, und irgendwann kommt wohl auch eine Messerdebatte. Es wird interessant, ob sie wieder nur oberflächlich wird mit viel Gebrüll und wenig Substanz. Oder ob diese Gesellschaft eine ernsthafte und ehrliche Diskussion wagt über die Chancen und Risiken der bisherigen Einwanderungspolitik und über künftige Möglichkeiten und Notwendigkeiten.“
Familienministerin Lisa Paus (Grüne) will mit staatlichen Maßnahmen gegen eine fortschreitende Vereinsamung der Deutschen vorgehen. Was er davon hält, schreibt Ralf Schuler bei „Nius.de“ (1. Juni):
„Die Wahrheit ist: Die Menschen sind für ihr Leben selbst verantwortlich. Das mag für manche Zeitgenossen und Betreuungspolitiker bedrohlich klingen. Für die meisten anderen sollte es verlockend sein. Man nennt es Freiheit. Singe-Nachmittage mit Kaffee, Kuchen und Lisa Paus sind das Gegenteil.“
Wort der Woche
„Jeder Joghurt besitzt ein höheres Haltbarkeitsdatum als die Aussagen von Olaf Scholz.“
Gabor Steingart mokiert sich im „Focus“ vom 3. Juni über den steten Wankelmut des Bundeskanzlers


