Die einseitige Änderung der Seegrenzen hat in der Exklave Königsberg und in den sie umgebenden polnischen baltischen Gebieten die Kriegsangst in die Höhe getrieben. Wie in der Ukraine hat auch in Polen eine Ost-West-Wanderungsbewegung begonnen.
Neben den Seegrenzen, die Moskau vor einigen Wochen willkürlich geändert hat, wurden auch an den Grenzflüssen zu Estland, auf der Narwa und auch auf dem Peipussee einige Bojen willkürlich von russischen Grenzschützern entfernt. Estland hat sie danach mit Bojen mit dem NATO-Zeichen ersetzt. All dies hat die ohnehin schon latent vorhandene Kriegsangst entlang der Grenze noch einmal verschärft. Viele Einwohner von Königsberg fürchten eine Blockade ihrer Exklave, die komplett von EU- und NATO-Gebiet umgeben ist. Da es unmöglich ist, sie auf See zu durchbrechen, da die NATO-Flotte in der Ostsee die Oberhand hat, kann dies nur auf dem Landweg geschehen.
Die 80 Kilometer breite Landenge von Suwałki bildet die Grenze zwischen Polen und Litauen. Deshalb werden deutsche Truppen in Litauen verstärkt und schlägt die neue polnische Regierung Berlin vor, auch auf polnischem Gebiet deutsche Soldaten zu stationieren. Polen bereitet sich also auch auf einen Krieg vor, und zwar noch effektiver als die baltischen Staaten. In Polen ist bereits wie in der Ukraine eine starke Wanderungsbewegung vom Osten und Norden weg Richtung Westen der Republik zu verzeichnen.
Viele Einwohner Königsbergs fühlen sich mit der Dauer des Krieges immer mehr von Russland isoliert. Die Flugpreise steigen schnell, die Bahnpreise auch. Die Regierung hat zwar für die Einwohner der Region eine Subventionierung der Tickets für Flüge von Königsberg nach Moskau und St. Petersburg eingeführt. Als diese Tickets in den Verkauf gingen, stellte sich allerdings heraus, dass es nur etwa 30.000 davon gab. Und in Königsberg leben etwa eine Million Menschen. Das heißt, die billigen Tickets konnten nur von denjenigen gekauft werden, die an Werktagen mehrere Stunden in der Schlange vor den Aeroflot-Schaltern verbrachten. Arbeitnehmer konnten also keine Tickets erwerben. Viele Menschen haben den Eindruck, dass Russland die Region vernachlässige. Die Einwohner glauben, dass Moskau diese Gebiete nur brauche, um eigene Militäreinheiten dort zu stationieren. Um die Menschen kümmere sich Moskau weniger.
Die Preise sind in Königsberg innerhalb eines Jahres um fast zehn Prozent gestiegen, dabei wird die Qualität der Lebensmittel immer schlechter. Vor der Pandemie konnte man mit dem Bus nach Polen oder Litauen fahren und dort Käse, Butter, Schinken, Aufschnitt und sogar Brot kaufen. Viele taten es, weil die Qualität in der Europäischen Union besser ist. Das gehört der Vergangenheit an. Viele Einwohner Königsbergs fürchten, dass russische Bürger nach dem Ende des Krieges, egal wie er ausgeht, in der EU nicht mehr willkommen sein werden. Dabei ist das Gebiet von der EU umgeben, Moskau und St. Petersburg sind dagegen weit. Auch für Russlanddeutsche, die wegen ihrer Verwandten in Deutschland in das Gebiet gezogen sind, sieht die Zukunft nach dem Kriege düster aus.
Viele Russen glauben sogar, dass sich Russland auf einen weiteren Krieg vorbereitet. Es könnte die baltischen Staaten angreifen. Deshalb sprechen russische Politiker und verschiedene Experten einerseits davon, dass es zu einem Krieg kommen könnte, aber andererseits wiederholen sie, dass Russland niemanden zuerst angreifen wird. Genau das haben sie vor gut zwei Jahren, vor dem 24. Februar 2022, auch gesagt, und dann hat Russland die Ukraine angegriffen. Das Königsberger Gebiet wird immer stärker bewaffnet. Deutschland hat nach seiner Niederlage 1945 viele Gebiete verloren, das gleiche könnte Russland auch passieren, wenn es den Krieg verliert.


