25.01.2026

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Folge 24-24 vom 14. Juni 2024 / Theo Schöller / Nürnberger „Eiskönig“ ohne Erben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-24 vom 14. Juni 2024

Theo Schöller
Nürnberger „Eiskönig“ ohne Erben
Manuel Ruoff

Theo Schöller lag das Unternehmertum im Blut. Schon als 15-Jähriger handelte der am 18. Januar 1917 in Nürnberg geborene Sohn eines durch Krieg und Inflation gebrochenen Büromöbelfabrikanten zusammen mit seinem älteren Bruder mit Kinoprogrammen. Nachdem er Eis am Stiel statt als Kugeln in der Waffel oder im Becher kennengelernt hatte, versuchten er und sein Bruder es mit diesem industriell und damit entsprechend günstig herzustellenden Speiseeis. 1937 erwarben sie von Josef Pankofer die Lizenz, dessen JOPA-Eiskrem herzustellen und in Nordbayern zu vertreiben. Hierfür gründeten sie die „Karl Schöller Jopa-Eiskremfabrik“. Dort produzierten 25 Beschäftigte 15.000 Eis am Stiel am Tag. 

1938 begann für Theo Schöller eine unfreiwillige Auszeit. Er wurde in die Wehrmacht eingezogen, nahm am Zweiten Weltkrieg teil, wurde schwer verwundet, geriet in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft und hatte das Glück im Unglück, noch 1945 aus dieser wieder entlassen zu werden und in die Geschäftsführung zurückkehren zu können. 

1955 trennte er sich von seinem Bruder Karl und wurde Alleininhaber der „Allgemeinen Lebensmittelbetriebe Inh. Theo Schöller“. 1960 löste er auch die Bande zu Pankofer und vertrieb nun „Schöller-Eiskrem“. Bis 1967 machte Schöller sein Unternehmen zum mit 1200 Mitarbeitern zweitgrößten deutschen Speiseeishersteller nach der „Langnese-Iglo GmbH“. Das Unternehmen expandierte weiter und zu Beginn der 1990er Jahre stand es mit nun 6500 Beschäftigten abermals auf dem zweiten Platz unter den Speiseeisherstellern, aber diesmal nicht in Deutschland, sondern in Europa. Der Zenit war erreicht. 

Tragischerweise hielt Schöller keines seiner vier Kinder, die allesamt aus seiner ersten Ehe stammten, für geeignet, sein Erbe anzutreten. Er gründete deshalb mit seiner zweiten Ehefrau 1988 die gemeinnützige „Theo und Friedl Schöller-Stiftung“. Sein unternehmerisches Werk versuchte Schöller in einem größeren Ganzen aufgehen zu lassen. Bis Ende der 80er Jahre verkaufte er 49 Prozent der Anteile an seinem Werk an die „Südzucker AG“, mit der er 1995 die „Schöller-Holding GmbH & Co. KG“ gründete, in die er seine verbliebenen Anteile einbrachte. Diese Holding, an der er 35 Prozent hielt, wurde 2001/02 von „Nestlé“ übernommen. Wenige Jahre später, am 23. Juni 2004, starb der sogenannte Eis-König in seiner Geburtsstadt.