06.05.2026

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Folge 24-24 vom 14. Juni 2024 / Ehrung / Ostpreußischer Kulturpreis für Andreas Gautschi / Anerkennung für ein einzigartiges forst- und jagdwissenschaftliches sowie literarisches Wirken

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-24 vom 14. Juni 2024

Ehrung
Ostpreußischer Kulturpreis für Andreas Gautschi
Anerkennung für ein einzigartiges forst- und jagdwissenschaftliches sowie literarisches Wirken
Horst Buschalsky

Im Rahmen des Treffens in Wolfsburg wurde der in der Schweiz geborene und seit vielen Jahren in Ostpreußen lebende Forstwissenschaftler Andreas Gautschi mit dem Ostpreußischen Kulturpreis geehrt. An dieser Stelle geben wir den Text der Laudatio wieder. 

Dr. Gautschi hat sich seit mehr als 30 Jahren durch seine umfangreichen Studien zur preußisch-deutschen Forst- und Jagdgeschichte vor allem für Ostpreußen verdient gemacht.

Seine Werke zur Rominter Heide, zum Elchwald und zu den Jagd- und Waldverhältnissen Ostpreußens insgesamt weisen ihn als fundierten Fachmann und Spezialisten auf diesem Gebiet aus. Er hat dabei vor allem die Menschen, die diese wunderbaren Wälder mit ihren artenreichen Wildbeständen hegten und pflegten, in besonderer Weise mit ihren Stärken, aber auch mit ihren Schwächen herausgestellt.

Letzteres gelang ihm als Schweizer, unbelastet von nationaler Schuld und Scham, vor allem bei den Vorgängen während des 2. Weltkriegs mit großer emotionsfreier Nüchternheit und Sachlichkeit.

Gautschi beschreibt seine Protagonisten mit viel Empathie. Mit geradezu detektivischer Akribie gelingt es ihm, Angehörige, Nachfahren oder Zeitzeugen aufzuspüren und sie zur Freigabe persönlicher Aufzeichnungen und vor allem zahlreicher Fotografien zu veranlassen, vielleicht auch zu überreden, und so einem Kreis von Interessenten zugänglich zu machen und für die Zukunft zu bewahren.

Gautschis Liebe gilt der Rominter Heide in ihrer ganzen landschaftlichen Schönheit und forstlichen Vielfalt, aber eben auch den Persönlichkeiten, die dort wirkten. Der Buchtitel „Durch Wälder und Zeiten“ im Jahr 2011 wurde für den Autor Programm; denn diese führen ihn auf dem eigenen Lebensweg nach Szittkehmen/Wehrkirchen, wo er sich niedergelassen hat, um ganz nah bei seinem Forschungsobjekt zu sein. 

Großartig sind Dr. Gautschi die Lebensbeschreibungen der Oberförster bzw. Forstmeister der Rominter Heide gelungen, die uns in eine weit zurückliegende Zeit entführen. Im Herbst 2021 befasste sich der Autor mit dem seltsamen, aber treffenden Titel der ersten Zeile aus Goethes Faust „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten“ mit der stillen gestaltenden Arbeit von sechs Generationen preußischer Förster in der Rominter Heide.

Die Liste seiner Bücher, Werke und Veröffentlichungen ist lang. Es sind vier belletristische Werke, 32 Sachbücher und drei Buchveröffentlichungen mit Mitherausgebern. Herausragend zu nennen ist die auf historischen Tatsachen beruhende romanhistorische Darstellung des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg mit dem Titel „Vom Jagen, Trinken und Regieren“ aus dem Jahr 2005 und das Buch „Zum Gedenken an den 150. Todestag des königlichen Oberförsters von Nassawen Carl Reiff“, der durch Wilderer Hand starb und mit dem die Rotwildhege in der Rominter Heide begann, die zu den kapitalen Geweihen bis in unsere Zeit führte. Diese Entwicklung machte die Rominter Heide berühmt, zog allerdings auch die politisch Mächtigen an. 

Die künstlerische Begabung des Geehrten äußert sich nicht nur in der einfühlsamen Beschreibung der Werke des Jagdmalers „Richard Friese – sein Leben, seine Kunst“ im Jahr 2003, sondern er selbst schuf für einige Bücher nach fotografischen Vorlagen Portraits seiner Protagonisten. Zwei Bände Wald- und Jagdgedichte aus der Rominter Heide 2017 und 2018 unter dem Pseudonym F. von Fuchsenfels runden das Bild dieses vielseitigen Schriftstellers ab. Er selbst sieht sich als „Wanderer zwischen den Zeiten“. Wer sein neuestes Buch aus dem vergangenen Jahr „Aufbruch nach Rominten – Erinnerungen und Bekenntnisse“ liest, versteht, was er mit dieser Selbstcharakterisierung meint.

Im übertragenen Sinne hat Dr. Andreas Gautschi dem Wald, dem Wild, der Jagd, der Landschaft und den Menschen Ostpreußens mit seinem schriftstellerischen Werk ein bleibendes Denkmal gesetzt. Er hat mit seinem umfangreichen Werk wissenschaftlich-literarisch abgerundet, was Forstmeister Hans-Ludwig Loeffke mit der Gründung des Ostpreußischen Jagdmuseums – Wild, Wald und Pferde praktisch vor 67 Jahren begonnen hat. Beides ergänzt sich und muss in einem Bogen zusammen betrachtet werden, auch wenn das Museum eine notwendige Entwicklung zum heutigen Ostpreußischen Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung erlebt hat und die kulturelle Betrachtung auf alle Bereiche der Provinz Ostpreußen ausgeweitet wurde. Das neueste Thema ist der bedeutende Immanuel Kant aus Königsberg.

Dr. Gautschi hat durch seine Arbeit für die Jagd- und Forstgeschichte eine fundierte Grundlage geschaffen, um die Darstellung Ostpreußens als ein besonderes Naturparadies und einzigartige Kulturlandschaft im Gedächtnis zu behalten. 

Auch wenn das alte Ostpreußen untergegangen ist, haben wir im Bewusstsein der Kulturbewahrung einer 800-jährigen Geschichte die Verpflichtung, daran zu erinnern und sie zu beschreiben. An dieser wertvollen Kulturarbeit für die Forst- und Jagdgeschichte Ostpreußens hat Dr. An-dreas Gautschi aus der Rominter Heide mit seinem Werk einen beachtenswerten und sehr besonderen Beitrag geleistet. Hierfür gebührt ihm großer Dank und die Ehre des Kulturpreises der Landsmannschaft Ostpreußen. 

Abschließend möchte ich einen ganz besonderen Dank an den Freistaat Bayern für die Dotierung des Kulturpreises aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales richten.