25.01.2026

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Folge 26-24 vom 28. Juni 2024 / Ungleiche Verträge / Chinas Schwäche nach den Opiumkriegen / Neben Großbritannien profitierte auch das russische Zarenreich von der Unterwerfung des chinesischen Kaiserreichs

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26-24 vom 28. Juni 2024

Ungleiche Verträge
Chinas Schwäche nach den Opiumkriegen
Neben Großbritannien profitierte auch das russische Zarenreich von der Unterwerfung des chinesischen Kaiserreichs

In chinesischen Geschichtsbüchern ist zu lesen, dass fast ganz Sibirien „vorübergehend verlorene chinesische Gebiete“ seien. Tatsächlich gehörte der russische Südosten einst zu China. Mitte des 19. Jahrhunderts war das chinesische Kaiserreich jedoch durch Handelskriege und die Taiping-Revolution derart geschwächt, dass es den Konflikt mit den Westmächten verlor. Nach den sogenannten Opiumkriegen zwang Großbritannien das wirtschaftlich und technologisch unterlegene chinesische Kaiserreich, mehrere Gebiete an die imperialistischen Mächte abzutreten. 

Zwischen 1842 und 1860 wurde China eine Reihe von Verträgen aufgezwungen, die den europäischen Mächten umfangreiche Rechte zuwiesen, für welche die Chinesen aber keinerlei Gegenleistung erhielten. Sie mussten beispielsweise niedrigen Einfuhrzöllen für ausländische Waren zustimmen, ein uneingeschränktes Niederlassungsrecht für Europäer in chinesischen Städten gewährleisten, „offene Häfen“ mit günstigen Zöllen und Steuern einrichten sowie freie Missionstätigkeit christlicher Missionare zulassen. Chinesische Verfasser bezeichneten diese aufgezwungenen Verträge als „ungleiche Verträge“, die sie als Erpressung betrachteten.

Gemäß den Verträgen fiel Hongkong an die Briten. Das russische Zarenreich erhielt in Chinas Nordosten riesige Gebiete, zu denen auch Wladiwostok (Beherrsche den Osten) zählte.  

Die chinesische Führung hat die infolge der Opiumkriege erlittene Schmach der Gebietsverluste nie verwunden. Chinesen betrachten etwa 1,5 Millionen Quadratkilometer russischen Territoriums als ihr Eigentum, da vor mehr als 150 Jahren Land östlich des Baikalsees von China abgetrennt wurde, darunter Boli (Chaba-rowsk), Haishenwei (Wladiwostok) und die Halbinsel Kamtschatka sowie die Insel Kuedao (Sachalin), 

Im Jahr 1858 eroberte Graf Nikolaj Murawjow für das Russische Reich die fernöstlichen Gebiete nördlich des Amur, was am 28. Mai 1858 im russisch-chinesischen Vertrag von Aigun festgeschrieben wurde. Was für die russische Seite lediglich ein Grenzvertrag war, der die freie Schifffahrt auf dem Amur garantierte, war für China einer der erpresserischen „ungleichen Verträge“. 

Der verhasste Vertrag von Aigun

Mit einer Mischung aus militärischer Gewalt und Verhandlungen zwischen den anderen Kolonialmächten und China gelang es Murawjow, erhebliche Landgewinne zu sichern, darunter das 1600 Kilometer lange Küstengebiet vom Unterlauf des Amur bis zum Ussuri. Insgesamt gewann das Zarenreich rund 1,7 Millionen Quadratkilometer.

In den 1960er Jahren kam es entlang der 4380 Kilometer langen chinesisch-sowjetischen Grenze erneut zu Spannungen, die 1969 in einen kurzen Krieg zwischen Russland und China wegen der Insel Zhenbao Dao (russisch Damanskij) im Grenzfluss Ussuri mündete. Damals stand die Welt vor einem drohenden Atomkrieg. Der eigentliche Grund für den Grenzkonflikt war jedoch ein Streit zwischen den beiden kommunistischen Parteien „KPdSU“ und „KPCH“ um die ideologische Vormachtstellung in der kommunistischen Welt. Russland hat 1995 Chinas Anspruch auf Zhenbao Dao und einige andere Inseln in einem Grenzvertrag anerkannt. MRK